Kinder- und Jugendgeschichten
Ach, war das eine schlimme Nacht. Es hatte nur geregnet. Und dann dieser Sturm, der so ein Geheul machte, dass Ulf die ganze Nacht nicht schlafen konnte. Nun schlich er müde und laut gähnend aus seiner Wohnhöhle. „Wie sieht es den hier aus?“, grummelte er verschlafen vor sich hin.
Der Sturm hatte doch viele, viele Blätter von den Bäumen gerissen, die jetzt wie ein Teppich vor Ulf’s Wohnhöhle und eigentlich überall lagen. Ulf schaute auf den Blätterteppich und stellte für sich fest: „Neeeee, Blätter fegen kann ich später“ und er schlurfte los, weil ihn doch mehr interessierte, wie Hans-Jürgen und Else die Nacht verbracht hatten.
Hans-Jürgen und Else hatten aber auch nicht schlafen können. Und Hans-Jürgen hätte am Morgen noch so gern lange in seinem Bett gelegen, wenn Else ihn nicht hinaus getrieben hätte. „Hans-Jürgen“, hatte sie mit strenger Stimme gesagt, „schau dir die Unordnung da draußen an. Die Blätter müssen weg. Also raus aus dem Bett und mach dich an die Arbeit!“ Was blieb Hans-Jürgen da schon übrig?
Aber Else war kein Unkäfer, und als sie Hans-Jürgen versprach, ihm zu helfen, fiel ihm das Aufstehen doch viel leichter. „Und wenn wir Ordnung gemacht haben, dann bereiten wir uns einen ganz leckeren Blattsalat zu“, sagte Else, und ihre Stimme klang nun ganz sanft.
Hans-Jürgen räumte nun seine beiden Karren leer, in die er am Vorabend Mistkugeln gestapelt hatte. Er rollte die Kugeln in sein Mistkugellager, denn er brauchte die Karren, um sie mit Blättern zu füllen.
Gerade hatte er die ersten Blätter in die Karre gelegt, als er Ulf entdeckte, der, immer noch gähnend, auf ihn zukam. „Hallo Ulf“, rief ihm Hans-Jürgen Ulf entgegen, „was war das doch für ein Sturm heute Nacht!“ „Jaja“, so ein blödes Wetter“, entgegnete Ulf. „Ich konnte nicht schlafen, und jetzt bin ich so müde. Und diese ganzen Blätter vor der Tür. Wie kriege ich die bloß alleine da weg?“ Ulf schaute Hans-Jürgen ganz hilflos an.
„Aber Ulf, dass ist doch kein Problem.“ sagte Hans-Jürgen. „Da du gerade hier bist, hilfst du mir bei meinen Blättern und anschließend helfe ich dir bei deinen Blättern.“ Da brauchte Ulf nicht lange überlegen. „Genauso machen wir es“, platzte es nun fröhlich aus ihm heraus, „und.....ääääh.....und.....was machen wir dann?“
„Ulf“, sagte Hans-Jürgen, „jetzt machen wir erst mal das. Und was wir dann machen, das werden wir schon sehen. Uns wird schon etwas einfallen. Jetzt fülle die Blätter in die Karre. Wir bringen sie dann zur großen Wiese und laden sie dort ab.“
Und Else schaute ganz zufrieden. Denn jetzt hatte Hans-Jürgen eine Hilfe bei den vielen Blättern und sie konnte sich schon um den versprochenen Blattsalat kümmern.
Und Hans-Jürgen und Ulf füllten ihre Karren und machten sich auf den Weg zur großen Wiese. Der Weg war zwar nicht weit, aber mit den vollen Blattkarren dauerte es schon eine kleine Weile, bis sie bei der Wiese angekommen waren. Unterwegs fragte Ulf: „Sag mal, Hans-Jürgen, deine Else ist doch ganz berühmt für ihren leckeren Blattsalat. Warum bringen wir die Blätter denn jetzt zur großen Wiese? Else könnte davon doch soviel Blattsalat machen, dass wir alle bestimmt zehn Jahre davon essen könnten.........ja oder nicht?“
Hans-Jürgen stellte seine Karre ab und schüttelte den Kopf. „Himmel, du stellst aber auch manchmal Fragen!“ „Jaanee, ich mein ja nur“, sagte Ulf. Er stellte seine Karre nun auch ab, griff ein Blatt und biss hinein. Aber so schnell das Blatt in seiner kleinen Schnute war, so schnell war es auch wieder draußen. „Pfui Deiwel“, wetterte Ulf und verzog sein Gesicht, „das ist ja ganz trocken und schmeckt so bitter!“ „Siehst du“, meinte Hans-Jürgen, „jetzt weißt du, warum Else mit diesen Blättern keinen Salat machen kann. Diese Blätter sind schon alt und schmecken nicht mehr.“ Beide nahmen wieder ihre Karren und gingen weiter. Ulf murmelte ärgerlich vor sich hin: „Da hat man mal eine Idee! - Hätte ja sein können! - Aber das nächste Mal habe ich die Superidee und dann...........!“
„Soooooo“, unterbrach Hans-Jürgen Ulf’s Gemurmel, „wir sind da.“
Sie standen nun vor der großen Wiese, kippten ihre Karren um und schon landeten die Blätter auf dem grünen Wiesenteppich. Gerade wollten beide wieder zurück gehen, als Ulf plötzlich stehen blieb und in die Richtung deutete, in der er etwas entdeckt hatte. „Schau mal, Hans-Jürgen, da liegt doch ein Bäumchen auf der Wiese.“ Hans-Jürgen drehte sich um und stellte fest, dass dort tatsächlich ein Bäumchen lag. „Warum liegt es denn da?“, fragte Ulf. „Lass uns mal hingehen und nachschauen“, sagte Hans-Jürgen.
Als sie an dem Bäumchen angekommen waren und sahen, was passiert war, waren beide ganz entsetzt. „Das war der Sturm!“, rief Ulf, „der Sturm war das, der hat das Bäumchen entwurzelt. Was machen wir denn jetzt bloß. Wir müssen dem Bäumchen doch helfen!“ „In der Tat, wir müssen dem Bäumchen helfen“, sagte Hans-Jürgen. „Wir müssen ein Loch graben, um es wieder mit seinen Wurzeln fest in die Erde zu stellen. Aber das kann ich nicht.“ Ulf war ganz nervös. „Ich kann auch kein Loch graben. Meine Füße sind viel zu klein, um ein so großes Loch zu graben. Ach, was machen wir nur, was machen wir nur?“ Aufgeregt lief er hin und her und her und hin.
„Ulf, ich hab’s!“, rief Hans-Jürgen plötzlich. Ulf blieb stehen und schaute ihn erwartungsvoll an.
„Laufe schnell zu Bruno und Schorsch, den Maulwurfbrüdern. Sie werden uns ein Loch graben. Dann können wir das Bäumchen wieder in die Erde stellen.“ „Jaaaaa, dass ist wirklich eine gute.........!“ Ulf stockte einen Moment und meinte dann nur noch: „Ja.....äääh.....ich lauf dann mal!“ Und er machte sich auf den Weg. Hans-Jürgen passte solange auf das Bäumchen auf.
Und während Ulf zu den Maulwurfbrüdern lief, schimpfte er vor sich hin: „Das hätte ja auch mal meine Idee sein können.......wäre auch meine Idee gewesen......nur ein paar Sekunden später, dann hätte ich das bestimmt gesagt. Nur ein paar klitzekleine Sekunden.......!“
Platsch, da lag er auf der Nase.
„Erst habe ich die Idee zu spät und jetzt auch noch das!“, schimpfte er weiter, während er sich wieder aufrappelte.
Als er wieder auf seinen Füßchen stand und sich umschaute, bemerkte er, dass er über einen kleinen Hügel gestolpert war. Überall um ihn herum waren kleine Hügel. „Ei“, sagte Ulf, „ich bin ja schon da.“
Denn die kleinen Hügel waren Maulwurfshügel, und das hieß, das er bei Bruno und Schorsch angekommen war. Nur die beiden Brüder sah er nicht. „Haaalllooooooo!“, rief Ulf ganz laut. Er ging einige Schritte in die Hügellandschaft hinein. „Hallooooooooo, ist denn hier niemand zu Hause?“
Und genau vor seinen kleinen Füßchen bewegte sich plötzlich die Erde und eine Nase kam zum Vorschein. Und die Nase bewegte sich von rechts nach links und von oben nach unten und machte: Ffft, ffft, ffft, ffft, ffft, ffft! Ulf schaute ganz gebannt auf die schnüffelnde Nase. Und nun kam immer ein Stück mehr Maulwurf zum Vorschein, der die Erde an die Seite schob, um aus ihr heraus zu kommen. Und schon entstand ein neuer, kleiner Hügel.
Man, man, man!“, schimpfte der Maulwurf, „kann man nicht mal fünf Minuten in Ruhe graben?“ Und da ein Maulwurf schlecht sieht und nicht möchte, dass seine Augen durch das Tageslicht, was ihn sehr blendet, noch schlechter werden, setzte er sich erst einmal eine Sonnenbrille auf.
„Ooooh, ich bitte um Entschuldigung“, sagte Ulf hastig, „aber das Bäumchen.....Hans-Jürgen......auf der Wiese......das Bäumchen ist.....äääh.....helfen......ihr müsst uns helfen.....!“ „Nun bleib mal ganz locker“, unterbrach ihn der Maulwurf, „wer bist du überhaupt?“
„Ich bin Ulf, der Gekko. Und wir, also mein Freund Hans-Jürgen.....“ „Sprichst du von Hans-Jürgen, dem....Dings....dem Mistmacher?“, unterbrach in der Maulwurf abermals. Ulf nickte hastig. „Jaja, den kenne ich“, sagte der Maulwurf. Und dann drehte er sich um und rief in das Erdloch: „Schorsch, komm mal rauf!“ „Ich bin Bruno, du bist Schorsch!“, rief es aus der Erde zurück. Ulf schaute ganz verwirrt.
„Immer locker bleiben“, sagte Schorsch. „Weißt du, wir Maulwürfe sehen alle gleich aus. Und selbst wenn ich vor dem Spiegel stehe, weiß ich manchmal selbst nicht, ob ich nun Schorsch oder Bruno bin.
Ist auch egal. Einer von uns bin ich auf jeden Fall.“ Es bildete sich ein zweiter Hügel und ein weiterer Maulwurf, der ebenfalls eine Sonnenbrille trug, kam zum Vorschein. Beide Maulwürfe blickten sich an. „Du bist doch nicht Bruno“, sagte Schorsch. „Natürlich bin ich Schorsch.....ääääh....Bruno“, sagte Bruno. „Ha, du weißt es auch nicht!“, freute sich Schorsch. Und nun ging es hin und her. „Ich bin Schorsch!“ „Nein, ich!“ „Du nicht!“ „Doch, ich!“ „Ich!“ „Ich!“ Ich!“ „Bleib mal locker!“ „Bleib du mal locker!“ Ulf konnte einfach nicht mehr folgen. „Hallo“, unterbrach er die beiden Streithähne, „habt ihr mich vergessen?“ Die Maulwurfbrüder hörten auf zu streiten und blickten auf Ulf. „Nein, nein“, sagte Bruno, wir hatten nur gerade mal wieder was zu klären. Was gibt es denn?“
Und Ulf legte los, diesmal aber wesentlich ruhiger. „Also, heute Nacht war ja so ein starker Sturm. Und nun haben Hans-Jürgen und ich auf der großen Wiese ein Bäumchen entdeckt, das der Sturm entwurzelt hat. Jetzt müssen wir das Bäumchen wieder in die Erde pflanzen. Wir können aber keine Löcher graben, und da haben wir gedacht, dass ihr uns ein großes Loch graben könnt.“
Beide Maulwürfe plusterten sich fast gleichzeitig vor Empörung auf.
„Was habe ich da gerade gehört?“, regte sich Bruno auf. Mein Bruder Schorsch und ich sollen ein Loch graben. Ein blödes Loch?“ Und Schorsch schloss sich an: „Er hat zwar Unrecht, wenn er glaubt, ich bin Schorsch, aber mit dem Loch, da hat er Recht!“ Und Bruno wetterte weiter: „Eines will ich dir mal sagen, du Gekko, du. Wir Maulwürfe graben keine Löcher. Wir Maulwürfe graben Gänge. Hast du gehört: Gääääängeeeee! Das ist tausendmal wichtiger und schwieriger als so ein lumpiges Loch!“
Nun brüllte Schorsch: „Das ist ja mal eine Frechheit. Dumme Hunde, die graben
Löcher, aber wir sind Maulwürfe, halllooooooo, Maulwürfe, ist das klar? In meinem Leben würde ich kein Loch graben. Wir graben keine Löcher, nicht wahr, Schorsch!“ „Ich bin Brunooooo!“ „Bist du nicht!“
Und bevor nun alles wieder von vorn anfing, ging Ulf dazwischen und meinte: „He, ihr Brüder, bleibt doch mal locker!“ Die Maulwürfe stutzten und schauten Ulf an. „Was habe ich da gerade gehört“, meinte Schorsch, „wir sollen locker bleiben?“ „Hahahaha!“, lachte Bruno, „ja das ist ja mal ein Spruch. Wir sollen locker bleiben. Der Gekko gefällt mir. Weißt du was, für dich und Hans-Jürgen graben wir auch mal ein Loch. Aber nur für dich und Hans-Jürgen. Sag das bloß nicht weiter. Bist du einverstanden Bruno?“ „Ich bin Schor.....! „Neee, neee, neee, jetzt ist keine Zeit mehr zum streiten. Wir müssen schnell helfen!“
Ulf fiel ein Stein vom Herzen. Hatte er doch schon nicht mehr damit gerechnet, dass die Maulwürfe helfen würden. Aber nun machten sich die drei auf den Weg zur großen Wiese.
Und Ulf erzählte Bruno und Schorsch unterwegs, dass es ja fast seine Idee war, die Brüder anzusprechen und dass er eigentlich oft gute Ideen hätte.
„Na, endlich“, sagte Hans-Jürgen, als sie bei der großen Wiese ankamen, „das hat ja lange gedauert.“
„Hallo Hans-Jürgen. Wir hatten noch was zu klären“, sagte Schorsch. „Also, wo sollen wir den nun das Loch graben?“
Hans-Jürgen und Ulf zeigten gleichzeitig auf die Stelle, an der das Bäumchen lag. Und Bruno und Schorsch fingen an zu graben, was das Zeug hielt. Und nach zehn Minuten war das Loch schon so tief, dass Hans-Jürgen, Bruno und Schorsch das Bäumchen wieder in die Erde stellen konnten.
„Hilfe, hiiiilfeeeee!“ Die drei hörten eine dumpfe Stimme, die da um Hilfe rief. Wo war denn Ulf?
Schorsch und Bruno fingen direkt an, einen Hügel frei zu graben, aus dem die Stimme kam.
Und endlich kam Ulf wieder zum Vorschein. „Was macht du denn unter dem Hügel?“, fragte Hans-Jürgen. „Das wollte ich ja gar nicht. Aber Bruno und Schorsch haben so schnell gegraben und es flog nur noch Erde um mich herum. Und als ich weglaufen wolle, da war es schon zu spät. Da war ich schon unter dem Hügel.“ Ulf war doch sehr erleichtert, dass er so schnell befreit wurde und doch sah man ihm seine Aufregung an. „Weißt ja, immer schön locker bleiben“, sagte Schorsch zu Ulf, und grinste Ulf dabei keck an. Der kleine Gekko war den Maulwürfen doch ganz sympathisch.
„So, jetzt noch die Erde wieder ins Loch schieben und dann ist Feierabend für heute“, bemerkte Bruno. Aber das ging sehr schnell. Und da stand das Bäumchen endlich wieder aufrecht in der Erde.
„Danke Schorsch, Danke Bruno!“, sagte Hans-Jürgen überglücklich zu den Maulwürfen.
„Ist klar“, meinte Bruno, „dass haben wir doch gern gemacht, oder Schorsch?“ „Ich bin nicht Schorsch!“ „Bist du wohl!“ Bin ich nicht!“ Da ging die Streiterei schon wieder los. Die beiden Mauwürfe trotteten von dannen und stritten sich wohl den ganzen Weg zurück weiter.
„Merkwürdige Kerle“, sagte Hans-Jürgen. „Ich finde sie richtig lustig“, meinte Ulf. „Sag mal Hans-Jürgen, haben wir dem Bäumchen jetzt das Leben gerettet?
Hans-Jürgen schaute noch mal auf das Bäumchen, dass so aufrecht in der Erde stand. „Ich glaube schon“, sagte er dann. „So ein Bäumchen kann ja nur leben, wenn seine Wurzeln in die Erde wachsen können. Denn dort sammelt sich das Regenwasser und das braucht so ein Bäumchen zum Leben.“ „Da wird sich das Bäumchen bestimmt freuen“, freute sich auch Ulf und meinte weiter: „Hans-Jürgen, ich habe jetzt richtig großen Hunger. Was hälst du davon, wenn wir meine Blätter morgen wegbringen und bei deiner lieben Else einen großen, leckeren Blattsalat essen?“
„Das ist wirklich eine gute Idee“, sagte Hans-Jürgen, „das machen wir so.“
Und beide gingen los und freuten sich auf einen großen Blattsalat. Und Ulf freute sich besonders, so eine gute Idee gehabt zu haben.
Hans-Jürgen und Else hatten aber auch nicht schlafen können. Und Hans-Jürgen hätte am Morgen noch so gern lange in seinem Bett gelegen, wenn Else ihn nicht hinaus getrieben hätte. „Hans-Jürgen“, hatte sie mit strenger Stimme gesagt, „schau dir die Unordnung da draußen an. Die Blätter müssen weg. Also raus aus dem Bett und mach dich an die Arbeit!“ Was blieb Hans-Jürgen da schon übrig?
Aber Else war kein Unkäfer, und als sie Hans-Jürgen versprach, ihm zu helfen, fiel ihm das Aufstehen doch viel leichter. „Und wenn wir Ordnung gemacht haben, dann bereiten wir uns einen ganz leckeren Blattsalat zu“, sagte Else, und ihre Stimme klang nun ganz sanft.
Hans-Jürgen räumte nun seine beiden Karren leer, in die er am Vorabend Mistkugeln gestapelt hatte. Er rollte die Kugeln in sein Mistkugellager, denn er brauchte die Karren, um sie mit Blättern zu füllen.
Gerade hatte er die ersten Blätter in die Karre gelegt, als er Ulf entdeckte, der, immer noch gähnend, auf ihn zukam. „Hallo Ulf“, rief ihm Hans-Jürgen Ulf entgegen, „was war das doch für ein Sturm heute Nacht!“ „Jaja“, so ein blödes Wetter“, entgegnete Ulf. „Ich konnte nicht schlafen, und jetzt bin ich so müde. Und diese ganzen Blätter vor der Tür. Wie kriege ich die bloß alleine da weg?“ Ulf schaute Hans-Jürgen ganz hilflos an.
„Aber Ulf, dass ist doch kein Problem.“ sagte Hans-Jürgen. „Da du gerade hier bist, hilfst du mir bei meinen Blättern und anschließend helfe ich dir bei deinen Blättern.“ Da brauchte Ulf nicht lange überlegen. „Genauso machen wir es“, platzte es nun fröhlich aus ihm heraus, „und.....ääääh.....und.....was machen wir dann?“
„Ulf“, sagte Hans-Jürgen, „jetzt machen wir erst mal das. Und was wir dann machen, das werden wir schon sehen. Uns wird schon etwas einfallen. Jetzt fülle die Blätter in die Karre. Wir bringen sie dann zur großen Wiese und laden sie dort ab.“
Und Else schaute ganz zufrieden. Denn jetzt hatte Hans-Jürgen eine Hilfe bei den vielen Blättern und sie konnte sich schon um den versprochenen Blattsalat kümmern.
Und Hans-Jürgen und Ulf füllten ihre Karren und machten sich auf den Weg zur großen Wiese. Der Weg war zwar nicht weit, aber mit den vollen Blattkarren dauerte es schon eine kleine Weile, bis sie bei der Wiese angekommen waren. Unterwegs fragte Ulf: „Sag mal, Hans-Jürgen, deine Else ist doch ganz berühmt für ihren leckeren Blattsalat. Warum bringen wir die Blätter denn jetzt zur großen Wiese? Else könnte davon doch soviel Blattsalat machen, dass wir alle bestimmt zehn Jahre davon essen könnten.........ja oder nicht?“
Hans-Jürgen stellte seine Karre ab und schüttelte den Kopf. „Himmel, du stellst aber auch manchmal Fragen!“ „Jaanee, ich mein ja nur“, sagte Ulf. Er stellte seine Karre nun auch ab, griff ein Blatt und biss hinein. Aber so schnell das Blatt in seiner kleinen Schnute war, so schnell war es auch wieder draußen. „Pfui Deiwel“, wetterte Ulf und verzog sein Gesicht, „das ist ja ganz trocken und schmeckt so bitter!“ „Siehst du“, meinte Hans-Jürgen, „jetzt weißt du, warum Else mit diesen Blättern keinen Salat machen kann. Diese Blätter sind schon alt und schmecken nicht mehr.“ Beide nahmen wieder ihre Karren und gingen weiter. Ulf murmelte ärgerlich vor sich hin: „Da hat man mal eine Idee! - Hätte ja sein können! - Aber das nächste Mal habe ich die Superidee und dann...........!“
„Soooooo“, unterbrach Hans-Jürgen Ulf’s Gemurmel, „wir sind da.“
Sie standen nun vor der großen Wiese, kippten ihre Karren um und schon landeten die Blätter auf dem grünen Wiesenteppich. Gerade wollten beide wieder zurück gehen, als Ulf plötzlich stehen blieb und in die Richtung deutete, in der er etwas entdeckt hatte. „Schau mal, Hans-Jürgen, da liegt doch ein Bäumchen auf der Wiese.“ Hans-Jürgen drehte sich um und stellte fest, dass dort tatsächlich ein Bäumchen lag. „Warum liegt es denn da?“, fragte Ulf. „Lass uns mal hingehen und nachschauen“, sagte Hans-Jürgen.
Als sie an dem Bäumchen angekommen waren und sahen, was passiert war, waren beide ganz entsetzt. „Das war der Sturm!“, rief Ulf, „der Sturm war das, der hat das Bäumchen entwurzelt. Was machen wir denn jetzt bloß. Wir müssen dem Bäumchen doch helfen!“ „In der Tat, wir müssen dem Bäumchen helfen“, sagte Hans-Jürgen. „Wir müssen ein Loch graben, um es wieder mit seinen Wurzeln fest in die Erde zu stellen. Aber das kann ich nicht.“ Ulf war ganz nervös. „Ich kann auch kein Loch graben. Meine Füße sind viel zu klein, um ein so großes Loch zu graben. Ach, was machen wir nur, was machen wir nur?“ Aufgeregt lief er hin und her und her und hin.
„Ulf, ich hab’s!“, rief Hans-Jürgen plötzlich. Ulf blieb stehen und schaute ihn erwartungsvoll an.
„Laufe schnell zu Bruno und Schorsch, den Maulwurfbrüdern. Sie werden uns ein Loch graben. Dann können wir das Bäumchen wieder in die Erde stellen.“ „Jaaaaa, dass ist wirklich eine gute.........!“ Ulf stockte einen Moment und meinte dann nur noch: „Ja.....äääh.....ich lauf dann mal!“ Und er machte sich auf den Weg. Hans-Jürgen passte solange auf das Bäumchen auf.
Und während Ulf zu den Maulwurfbrüdern lief, schimpfte er vor sich hin: „Das hätte ja auch mal meine Idee sein können.......wäre auch meine Idee gewesen......nur ein paar Sekunden später, dann hätte ich das bestimmt gesagt. Nur ein paar klitzekleine Sekunden.......!“
Platsch, da lag er auf der Nase.
„Erst habe ich die Idee zu spät und jetzt auch noch das!“, schimpfte er weiter, während er sich wieder aufrappelte.
Als er wieder auf seinen Füßchen stand und sich umschaute, bemerkte er, dass er über einen kleinen Hügel gestolpert war. Überall um ihn herum waren kleine Hügel. „Ei“, sagte Ulf, „ich bin ja schon da.“
Denn die kleinen Hügel waren Maulwurfshügel, und das hieß, das er bei Bruno und Schorsch angekommen war. Nur die beiden Brüder sah er nicht. „Haaalllooooooo!“, rief Ulf ganz laut. Er ging einige Schritte in die Hügellandschaft hinein. „Hallooooooooo, ist denn hier niemand zu Hause?“
Und genau vor seinen kleinen Füßchen bewegte sich plötzlich die Erde und eine Nase kam zum Vorschein. Und die Nase bewegte sich von rechts nach links und von oben nach unten und machte: Ffft, ffft, ffft, ffft, ffft, ffft! Ulf schaute ganz gebannt auf die schnüffelnde Nase. Und nun kam immer ein Stück mehr Maulwurf zum Vorschein, der die Erde an die Seite schob, um aus ihr heraus zu kommen. Und schon entstand ein neuer, kleiner Hügel.
Man, man, man!“, schimpfte der Maulwurf, „kann man nicht mal fünf Minuten in Ruhe graben?“ Und da ein Maulwurf schlecht sieht und nicht möchte, dass seine Augen durch das Tageslicht, was ihn sehr blendet, noch schlechter werden, setzte er sich erst einmal eine Sonnenbrille auf.
„Ooooh, ich bitte um Entschuldigung“, sagte Ulf hastig, „aber das Bäumchen.....Hans-Jürgen......auf der Wiese......das Bäumchen ist.....äääh.....helfen......ihr müsst uns helfen.....!“ „Nun bleib mal ganz locker“, unterbrach ihn der Maulwurf, „wer bist du überhaupt?“
„Ich bin Ulf, der Gekko. Und wir, also mein Freund Hans-Jürgen.....“ „Sprichst du von Hans-Jürgen, dem....Dings....dem Mistmacher?“, unterbrach in der Maulwurf abermals. Ulf nickte hastig. „Jaja, den kenne ich“, sagte der Maulwurf. Und dann drehte er sich um und rief in das Erdloch: „Schorsch, komm mal rauf!“ „Ich bin Bruno, du bist Schorsch!“, rief es aus der Erde zurück. Ulf schaute ganz verwirrt.
„Immer locker bleiben“, sagte Schorsch. „Weißt du, wir Maulwürfe sehen alle gleich aus. Und selbst wenn ich vor dem Spiegel stehe, weiß ich manchmal selbst nicht, ob ich nun Schorsch oder Bruno bin.
Ist auch egal. Einer von uns bin ich auf jeden Fall.“ Es bildete sich ein zweiter Hügel und ein weiterer Maulwurf, der ebenfalls eine Sonnenbrille trug, kam zum Vorschein. Beide Maulwürfe blickten sich an. „Du bist doch nicht Bruno“, sagte Schorsch. „Natürlich bin ich Schorsch.....ääääh....Bruno“, sagte Bruno. „Ha, du weißt es auch nicht!“, freute sich Schorsch. Und nun ging es hin und her. „Ich bin Schorsch!“ „Nein, ich!“ „Du nicht!“ „Doch, ich!“ „Ich!“ „Ich!“ Ich!“ „Bleib mal locker!“ „Bleib du mal locker!“ Ulf konnte einfach nicht mehr folgen. „Hallo“, unterbrach er die beiden Streithähne, „habt ihr mich vergessen?“ Die Maulwurfbrüder hörten auf zu streiten und blickten auf Ulf. „Nein, nein“, sagte Bruno, wir hatten nur gerade mal wieder was zu klären. Was gibt es denn?“
Und Ulf legte los, diesmal aber wesentlich ruhiger. „Also, heute Nacht war ja so ein starker Sturm. Und nun haben Hans-Jürgen und ich auf der großen Wiese ein Bäumchen entdeckt, das der Sturm entwurzelt hat. Jetzt müssen wir das Bäumchen wieder in die Erde pflanzen. Wir können aber keine Löcher graben, und da haben wir gedacht, dass ihr uns ein großes Loch graben könnt.“
Beide Maulwürfe plusterten sich fast gleichzeitig vor Empörung auf.
„Was habe ich da gerade gehört?“, regte sich Bruno auf. Mein Bruder Schorsch und ich sollen ein Loch graben. Ein blödes Loch?“ Und Schorsch schloss sich an: „Er hat zwar Unrecht, wenn er glaubt, ich bin Schorsch, aber mit dem Loch, da hat er Recht!“ Und Bruno wetterte weiter: „Eines will ich dir mal sagen, du Gekko, du. Wir Maulwürfe graben keine Löcher. Wir Maulwürfe graben Gänge. Hast du gehört: Gääääängeeeee! Das ist tausendmal wichtiger und schwieriger als so ein lumpiges Loch!“
Nun brüllte Schorsch: „Das ist ja mal eine Frechheit. Dumme Hunde, die graben
Löcher, aber wir sind Maulwürfe, halllooooooo, Maulwürfe, ist das klar? In meinem Leben würde ich kein Loch graben. Wir graben keine Löcher, nicht wahr, Schorsch!“ „Ich bin Brunooooo!“ „Bist du nicht!“
Und bevor nun alles wieder von vorn anfing, ging Ulf dazwischen und meinte: „He, ihr Brüder, bleibt doch mal locker!“ Die Maulwürfe stutzten und schauten Ulf an. „Was habe ich da gerade gehört“, meinte Schorsch, „wir sollen locker bleiben?“ „Hahahaha!“, lachte Bruno, „ja das ist ja mal ein Spruch. Wir sollen locker bleiben. Der Gekko gefällt mir. Weißt du was, für dich und Hans-Jürgen graben wir auch mal ein Loch. Aber nur für dich und Hans-Jürgen. Sag das bloß nicht weiter. Bist du einverstanden Bruno?“ „Ich bin Schor.....! „Neee, neee, neee, jetzt ist keine Zeit mehr zum streiten. Wir müssen schnell helfen!“
Ulf fiel ein Stein vom Herzen. Hatte er doch schon nicht mehr damit gerechnet, dass die Maulwürfe helfen würden. Aber nun machten sich die drei auf den Weg zur großen Wiese.
Und Ulf erzählte Bruno und Schorsch unterwegs, dass es ja fast seine Idee war, die Brüder anzusprechen und dass er eigentlich oft gute Ideen hätte.
„Na, endlich“, sagte Hans-Jürgen, als sie bei der großen Wiese ankamen, „das hat ja lange gedauert.“
„Hallo Hans-Jürgen. Wir hatten noch was zu klären“, sagte Schorsch. „Also, wo sollen wir den nun das Loch graben?“
Hans-Jürgen und Ulf zeigten gleichzeitig auf die Stelle, an der das Bäumchen lag. Und Bruno und Schorsch fingen an zu graben, was das Zeug hielt. Und nach zehn Minuten war das Loch schon so tief, dass Hans-Jürgen, Bruno und Schorsch das Bäumchen wieder in die Erde stellen konnten.
„Hilfe, hiiiilfeeeee!“ Die drei hörten eine dumpfe Stimme, die da um Hilfe rief. Wo war denn Ulf?
Schorsch und Bruno fingen direkt an, einen Hügel frei zu graben, aus dem die Stimme kam.
Und endlich kam Ulf wieder zum Vorschein. „Was macht du denn unter dem Hügel?“, fragte Hans-Jürgen. „Das wollte ich ja gar nicht. Aber Bruno und Schorsch haben so schnell gegraben und es flog nur noch Erde um mich herum. Und als ich weglaufen wolle, da war es schon zu spät. Da war ich schon unter dem Hügel.“ Ulf war doch sehr erleichtert, dass er so schnell befreit wurde und doch sah man ihm seine Aufregung an. „Weißt ja, immer schön locker bleiben“, sagte Schorsch zu Ulf, und grinste Ulf dabei keck an. Der kleine Gekko war den Maulwürfen doch ganz sympathisch.
„So, jetzt noch die Erde wieder ins Loch schieben und dann ist Feierabend für heute“, bemerkte Bruno. Aber das ging sehr schnell. Und da stand das Bäumchen endlich wieder aufrecht in der Erde.
„Danke Schorsch, Danke Bruno!“, sagte Hans-Jürgen überglücklich zu den Maulwürfen.
„Ist klar“, meinte Bruno, „dass haben wir doch gern gemacht, oder Schorsch?“ „Ich bin nicht Schorsch!“ „Bist du wohl!“ Bin ich nicht!“ Da ging die Streiterei schon wieder los. Die beiden Mauwürfe trotteten von dannen und stritten sich wohl den ganzen Weg zurück weiter.
„Merkwürdige Kerle“, sagte Hans-Jürgen. „Ich finde sie richtig lustig“, meinte Ulf. „Sag mal Hans-Jürgen, haben wir dem Bäumchen jetzt das Leben gerettet?
Hans-Jürgen schaute noch mal auf das Bäumchen, dass so aufrecht in der Erde stand. „Ich glaube schon“, sagte er dann. „So ein Bäumchen kann ja nur leben, wenn seine Wurzeln in die Erde wachsen können. Denn dort sammelt sich das Regenwasser und das braucht so ein Bäumchen zum Leben.“ „Da wird sich das Bäumchen bestimmt freuen“, freute sich auch Ulf und meinte weiter: „Hans-Jürgen, ich habe jetzt richtig großen Hunger. Was hälst du davon, wenn wir meine Blätter morgen wegbringen und bei deiner lieben Else einen großen, leckeren Blattsalat essen?“
„Das ist wirklich eine gute Idee“, sagte Hans-Jürgen, „das machen wir so.“
Und beide gingen los und freuten sich auf einen großen Blattsalat. Und Ulf freute sich besonders, so eine gute Idee gehabt zu haben.
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