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Kinder- und Jugendgeschichten

Hans-Jürgen, der Mistkäfer - Der Traum vom Geburtstag

Kinder- und Jugendliteratur

Kein Piep war draußen zu hören. Kein Krabbeln und kein Fiepen. Alles war still. Der Wind regte sich nicht, um die Blätter der Äste an den Bäumen zum Rauschen zu bewegen.

Es war ja auch mitten in der Nacht. Hans-Jürgen und Else schnarchten vor sich hin, ohne sich gegenseitig zu hören. Herbert, der Bieber, lag ruhig in seinem Holzbett und träumte von Mammutbäumen. Das sind Bäume, die viel, viel größer sind als die, die wir kennen, mit einem Stamm, den nur zehn Menschen gemeinsam umfassen können. Ja, Herbert träumte davon, einmal vor so einem großen Baum zu stehen. Und er träumte sehr oft davon, auch am Tage, wenn er hellwach war. Bestimmt träumten Hans-Jürgen und Else und alle anderen Tiere auch von irgendwas, wovon sie schon immer geträumt hatten.

Wie gesagt, überall war alles ganz still. Überall???

Nein, überall nicht!! In einer kleinen Sandhöhle lief ein Gekko hin und her und konnte nicht schlafen, weil er so aufgeregt war. Ulf konnte einfach in dieser Nacht nicht schlafen, aber wer kann schon schlafen, wenn er weiß, dass er am nächsten Tag Geburtstag hat.

Er war eigentlich schon seit einer ganzen Woche schrecklich aufgeregt, aber jetzt, wo es nur noch ein paar Stunden dauerte, bis die Geburtstagsgäste mit ihren Geburtstagsgeschenken zu Ulf kamen, da konnte er es nicht mehr aushalten. Ulf schaute immer wieder aus seiner Sandhöhle, ob denn schon Gäste unterwegs zu ihm waren, vielleicht Hans-Jürgen, sein bester Freund, der Ulf an seinem Geburtstag immer als Erster, vor allen anderen, gratulieren will. Aber so sehr er auch hoffte, nein, keine Stimmen, keine Schritte, alles dunkel.

„Ach, wenn ich doch nur schon die ersten Sonnenstrahlen sehen könnte“, murmelte Ulf vor sich hin und krabbelte wieder in seine Sandhöhle.

Und als er sich so umschaute, stellte er fest, das er in seiner Geburtstagsaufregung ja völlig vergessen hatte, seine kleine Höhle für diesen Festtag richtig schön zu schmücken. Kein Konfetti, keine Girlanden, keine Blümchen........ - Ach, wenigstens ein paar Grashalme und einige frische Blätter - dachte Ulf. Jetzt war er natürlich noch aufgeregter. “Was soll ich jetzt nur machen, was sollen bloß die Gäste von mir denken?” Ulf rannte in seiner kleinen Höhle auf und ab und hin und her...........aber dann !!!

“Die Wiese vor dem Wald, dass ist meine Rettung, heißa!” Er stieß noch einen kleinen Freudenpiepser aus und dann rannte er zu der Wiese, was das Zeug hielt. Naja, so weit war die Wiese auch wieder nicht von seiner kleinen Höhle entfernt. Er hatte sie also schnell erreicht, und er sammelte und sammelte, prächtige Grashalme und wunderschöne grüne und gelbe Blätter. Und schon nach ganz kurzer Zeit war er voll bepackt mit Halmen und Blättern. “Die Halme stelle ich in die Lehmvase, die ich von Hans-Jürgen und Else geschenkt bekommen habe, und die bunten Blätter werde ich in meiner kleinen Höhle auf dem Boden verteilen, dann werden meine Gäste auf einem weichen Teppich sitzen. Ach, ist das herrlich!”

Aber nun musste er ganz schnell nach Hause, denn er hatte noch viel zu tun und mit den ersten Sonnenstrahlen würden ja schon die ersten Gäste eintreffen. Und als er gerade ein paar Schritte gemacht hatte, sprach ihn plötzlich eine Stimme von hinten an. “Guten Morgen Ulf, so früh schon auf den Beinchen?” Die Stimme klang sehr freundlich - ja, fast schon zu freundlich, und Ulf kam sie irgendwie bekannt vor. Aber er brauchte nicht mehr lange darüber nachdenken, zu wem die Stimme gehörte, denn schon gab sie sich zu erkennen, und jetzt klang sie weniger freundlich: “So ein feines, fettes Frühstück für die liebe Gisela!” Ulf dreht sich um und schaute direkt in zwei gierig blickende Wüstennatteraugen. Und da Gisela wusste, es war noch niemand weit und breit, ließ sie sich etwas Zeit und öffnete gemächlich ihr Maul, um Ulf, garniert mit Grashalmen und bunten Blättern, zu verspeisen. “Nicht an meinem Geburtstag!”, schrie Ulf, drehte sich um und rannte so schnell er konnte. „Was habe ich mit deinem Geburtstag zu tun!“ zischte Gisela und schlängelte Ulf hinterher und immer wieder schnappte sie nach ihm und immer wieder konnte Ulf ihr so eben entwischen.

Doch Ulf ging die Puste aus, sein Herz schlug bis zum Hals, er konnte die Halme und die Blätter, die er immer noch umklammerte, nicht mehr festhalten. Und wieder und wieder das Schnappen von Gisela.......und dann der Ast, der auf dem Boden lag. Ulf sah ihn nicht und spürte ihn nur noch an einem seiner Füßchen. Der Ast ließ ihn stolpern. Ulf stürzte, blieb auf dem Rücken liegen und schaute in das weit aufgerissene Maul von Gisela, dass jetzt langsam auf ihn zu kam. “Neiiiin”, schrie Ulf, “bitte nicht, ich will nicht gefressen werden, neiiiiiiiiiiiiin !”

Ulf riss angstvoll die Augen auf und immer wieder hörte er seine eigenen Hilferufe.

“Wo ist Gisela? Hat sie mich gefressen, bin ich schon im Himmel?”, stammelte Ulf.

Er konnte nicht so richtig erkennen, was vor ihm war, denn ein Sonnenstrahl schien ihm direkt ins Gesicht und er lag immer noch auf dem Rücken. Nun richtete er sich langsam auf. Wo war er denn nur  so plötzlich. Von Gisela war nichts mehr zu sehen oder zu hören. Noch ängstlich und unsicher blickte er sich um. In einer kleinen Lehmvase standen wunderschöne Grashalme, und auf dem Boden lagen prächtige bunte Blätter, ausgebreitet zu einem herrlichen Teppich.

“Oooh, ich bin ja in meiner kleinen Höhle”, stellte Ulf fest. “Ich habe das alles nur geträumt.” Und nun fiel ihm wieder ein, dass er ja schon am Nachmittag des Vortages auf der großen Wiese war, Halme und Blätter gesammelt hatte und die Höhle für die Geburtstagsfeier schmückte.

Ein lautes Klopfen an der Tür ließ Ulf noch einmal zusammenzucken, denn der böse Traum von Gisela war doch noch in seinem Kopf. Ganz, ganz vorsichtig öffnete er die Eingangstür seiner kleinen Höhle. Doch dann war dieser Schreck schnell vorüber, denn was er jetzt hörte, war ein Geburtstagständchen vom Feinsten. “Wir gratulieren, wir gratulieren, dem lieben Geburtstagskind!” Hans-Jürgen, Else, Bodo und Schorsch   sangen aus voller Kehle. Und das die Maulwürfe ihm sogar ein Ständchen sangen, freute Ulf ganz besonders.

Und nun wurden Pfötchen und Fühler geschüttelt und sich herzlich gedrückt. Ja, und dann gingen alle in Ulf’s kleine Wohnhöhle, in der fast kein Platz mehr war, weil seine Freunde ihm so viele Geschenke mitgebracht hatten.

Ulf erzählte sogleich von seinem schrecklichen Geburtstagstraum, aber alle, auch Ulf, lachten jetzt darüber. Und sie hatten viel Spaß und feierten fröhlich, bis die Sonne am Horizont, hinter der großen Wiese, nicht mehr zu sehen war.

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